DIE ENTSTEHUNGSGESCHICHTE DES KGV HAGSCHINKEL

Es gab einmal einen Pächter … den Pächter Frangen aus Hohenbudberg.

Er hatte ab dem Jahre 1920 von dem etwa 20 Morgen großen Acker (an der ehemaligen Düsseldorfer Straße) Teilstücke in Größen von 400m² bis zu einem Morgen an verschiedene Interessenten verpachtet. Ein paar Jahre später, 1926, wurde den bisherigen Pächtern gekündigt und das gesamte Gelände einem Gartenbauverein verpachtet. Im Restaurant Jägerhoh wurde eine Liste ausgelegt, in die sich Interessenten für einen Garten eintragen konnten. Eine zusätzliche Nahrungserzeugungsmöglichkeit, vor dem Hintergrund großer sozialer und wirtschaftlicher Not (Hunger!), war wohl der Grund dafür, dass sich schon nach einigen Tagen mehr als 50 Interessenten in diese Liste eingetragen hatten.

Es kam zu einer Entscheidung…

Anfang Juni 1926 wurde von Herrn Robert Tück, der bisher für den Generalpächter Frangen die Pacht kassierte, eine Versammlung einberufen. Im Restaurant Jägerhof wurde an diesem Tag der Beschluss gefasst, das gesamte Ackergelände zu pachten und den Gartenbauverein Hagschinkel zu gründen.
Die spärlichen Unterlagen und Nachforschungen ergaben, dass zu den Gründern des Vereins die Garten Freunde Th, Tepass, Th. Kohnen, Th. Gotzen, A. Dregger, H. Strater, O. Ermark, Jos. Oswald und Karl Homberg gehörten. Der Gartenfreund Tepass wurde damals zum 1. Vorsitzenden gewählt.

Ein Plan von Heinrich Strater sen. sah vor, das gesamte Ackergelände in ca. 100 gleich große Gärten von 500 qm aufzuteilen sowie Hauptwege anzulegen. Dieser Vorschlag wurde von einer einberufenen Generalversammlung bei einigen Gegenstimmen beschlossen.
Die Stadtverwaltung von Uerdingen, vertreten durch Garten- und Friedhofinspektor Liebelt, war mit dem Plan einverstanden. Im Herbst 1926 wurde dann das Gelände nach dem vorliegenden Plan vermessen sowie eingeteilt und bei der nächsten Versammlung wurden die Gärten unter den Mitgliedern ausgelost.

Die nachfolgenden Jahre waren nun neben der Gestaltung der eigenen Gärten auch weitgehend mit Gemeinschaftsarbeit ausgefüllt. Für viele Kleingärtner war es neben dem „Stempeln gehen“ und der Arbeit im eigenen Garten die Hauptbeschäftigung.

Die Wege wurden in Gemeinschaftsarbeit abgesteckt und mit Schlacke aufgefüllt, eingerichtet. Die Wegkanten wurden mit selbst herangezogenen Ligusterpflanzen (ca. 30 000 Stück, sie durften doch nichts kosten) eingefasst. Die Gartentörchen wurden alle einheitlich vom Vereinsschreiner Albert Köhn angefertigt. Gestrichen wurden sie in unseren Vereinsfarben, Grün-Weiß.

Später, nach dem Wunsch vieler Gartenfreunde, kamen in die Gärten auch Bäume und Sträucher. So wurden in der nachfolgender Zeit dann auch Besuche von Baumschulen durchgeführt und Baumschnittkurse abgehalten.

Unser Vereinsmotto, „Wie fruchtbar ist der kleinste Garten, versteht man ihn nur recht zu warten“, bewahrheitet sich auch heute noch.

Mehrere Unfälle von spielenden Kindern, darunter auch mit tödlichem Ausgang auf der stark befahrenen Duisburger Straße, wo auch damals noch die Straßenbahn fuhr, veranlassten den Vorstand, den Mitgliedern in einer Generalversammlung den Bau eines Spielplatzes vorzuschlagen, was auch einstimmig Zustimmung fand.
Wie immer, in Eigenleistung. Die Spiel- und Turngeräte sowie die Herrichtung des eigentlichen Platzes und Anfertigung der Sandkästen und Sitzbänke wurden in mehr als 4000 Arbeitsstunden von den Mitgliedern in Selbsthilfe ausgeführt. Die Einweihung des für damalige Zeiten, das war im Jahre 1932, sehr modernen und schönen Spielplatzes übernahm unser damaliger Bürgermeister Aldehoff.
Unsere Mitglieder erschienen bei diesem Anlass erstmals mit ihren grün-weißen Schirmmützen, die aber auch an Sonn- und Feiertagen sowie bei Gartenfesten getragen wurden.

Mit dem Jahr 1939 begann für unseren Verein und unseres Land die zweifellos härteste Zeit, die Zeit der nationalsozialistischen Diktatur.
Eine große Anzahl von Mitgliedern wurde in den nachfolgenden Jahren eingezogen oder dienstverpflichtet. Wenn den Männern das Schicksal erspart blieb, mussten sie fast Tag und Nacht arbeiten. So blieb es nicht aus, dass die Frauen unserer Mitglieder die Hauptlast der Gartenarbeit zu tragen hatten.

Gartenlauben waren in den verschiedensten Variationen errichtet worden, sie brauchten ja nicht genehmigt zu werden. Die Hauptsache war während der Kriegszeit, dass Hühner, Kaninchen, Enten, Gänse und sogar Schweine untergebracht werden konnten. Denn die Viehhaltung in den Gärten trug entscheidend dazu bei, die Zeit mit der schwierigen Ernährungslage zu überstehen. Gerade hier hat sich der Kleingarten so sehr bewährt und große Teile unserer Bevölkerung vor noch größerem Hunger bewahrt.

Mit Ausnahme von einigen Laubenbränden sowie mehreren Bombentrichtern und einem Luftminenblindgänger gleich neben unserem früheren Haupteingang blieb die Anlage von größeren Schäden verschont.

Nach dem Kriegsende im Jahre 1945 durften zuerst keine Versammlungen durchgeführt werden. So wurde vom Kreisverband Krefeld ein Vorsitzender bestimmt.

Am 20.Januar 1946 hat im Lokal „Schweizerhaus“ die erste ordentliche Jahreshauptversammlung stattgefunden.

Neue Pumpen zur Bewässerung der Gärten wurden installiert, ein neuer Zaun wurde errichtet. Für die Durchführung von jährlichen Gartenfesten wurde eine Betonfläche erstellt sowie ein zentraler Elektroanschluss installiert. Es wurden Stahlmasten an den Hauptwegen zur Aufnahme der Freileitungen und Beleuchtung für die Wege bei Gartenfesten aufgestellt.

Im Jahre 1950 nahm man uns nach zähem und hartem monatelangen Kampf den vorderen Streifen unseres Geländes an der Duisburger Straße mit insgesamt 65 Gärten ab. Alle Verhandlungen und Versuche, doch noch diesen zu erhalten, waren fehlgeschlagen. Der Straßenstreifen musste in einer Tiefe von ca. 55 m abgetreten und für eine Wohnbebauung geräumt werden.
65 treue und bewährte Kleingärtner mussten ihren liebevoll gepflegten Kleingarten abgeben.

Nach Räumung dieses Streifens blieb die Fläche erstmal vier Jahre lang liegen und verwilderte vollkommen. Ersatzgelände wurde in der Waldecke sowie nördlich der heutigen Einfahrt gestellt.
Jetzt begann fast die gleiche Arbeit wie im Jahre 1926 und zwar die Aufteilung der Ackerfläche in einzelne Gärten, Anlegung von Wegen, Bepflanzung der Randstreifen mit Ligusterhecken. Ein leidiges Problem, was sich fast in jedem Jahr wiederholte, war die Durchführung unserer Gartenfeste. Die besten Vorbereitungen und Planungen halfen nichts, wenn es gerade an diesem Tage wieder regnete. Unsere geladenen Gäste zogen nach so manchem Fest nicht nur von innen angefeuchtet, sondern auch äußerlich durchnässt nach Hause.

So wurde dann zum ersten Mal in der außerordentlichen Generalversammlung am 21. März 1959 im Lokal „Zum Tivoli“ die Forderung erhoben, mit der Planung eines Vereinsheims zu beginnen. Diese wurde sodann aufgenommen und sah den Bau eines Vereinsheimes mit einer separaten Toilettenanlage vor.
Die Toilettenanlage war in der Tat bei unseren Gartenfesten das größte Problem, so dass mit dem Bau 1961 begonnen und diese 1962 fertig gestellt wurde.

Im Herbst 1962 wurde mit dem Bau unseres heutigen Vereinsheimes begonnen. Zunächst wurde der Wohnhausteil in Angriff genommen und im Jahr 1963 begannen die Arbeiten am Saal und dem Innenausbau. Die Arbeiten der einzelnen Bauabschnitte wurden weitgehend in Gemeinschaftsarbeit durchgeführt. Die Einweihung des Hauses erfolgte am 19. Juni 1965. Die Bewirtung des Vereinsheimes wurde zunächst von den Kleingärtnern selbst durchgeführt.

Ab 1972 übernahmen die Aufgabe verschiedensten Pächter. Das Gartenrestaurant „Hagschinkel“, so nennt sich das Vereinsheim heute, ist für die Öffentlichkeit zugänglich. Wenn auch erfreulicherweise zahlreiche Vereine und Gäste dieses schöne Restaurant nutzen, so ist es doch immer noch „unser Vereinsheim“ geblieben und steht den Kleingärtnern für interne Feiern und Versammlungen vorrangig zur Verfügung.

Vor 33 Jahren gründete sich in unserem Kleingartenverein eine Frauengruppe.
Ursprünglich taten sich einige Frauen zusammen, um das Obst von den vereinseigenen Bäumen zu ernten, zu konservieren und es dann Uerdingern Waisenkindern sowie Altenheimen zu schenken. Aus dieser Tätigkeit entwickelten sich nach und nach gesellige und regelmäßige Zusammenkünfte. Kegelabende schlossen sich an und natürlich auch der schon zur Tradition gewordene jährliche Ausflug. Der „Entenstall“, so wird liebevoll unsere Frauengruppe genannt, ist nicht ein Verein im Verein. Im Gegenteil, in den 18 Jahren ihres Bestehens hat sich die Frauengruppe für die Belange des Vereins eingesetzt und seit eh und je können wir auf ihre Mithilfe bauen.

Im Jahre 1977 wurde das ehemals von der Familie Wolf gepachtete Gelände nordwestlich der Haupteinfahrt in das Kleingartengelände integriert.
Hier entstanden 12 neue Kleingärten.
In den Jahren 1977/78 wurde in Gemeinschaftsarbeit das Gelände zum Heesbuch hin eingezäunt, der Zugangsweg hergerichtet und Strom- und Wasserversorgung installiert. In diesem Gelände wurde der neue Laubentyp „Uerdingen“ kreiert, zum Nachbau an anderer Stelle leider nicht zugelassen.

Die Stromversorgung wurde in den Jahren 1980/81 durch Verlegen von stärkeren Kabeln verbessert und in diesen Jahren entstand auch ein Ballspielplatz für unsere Kinder und Jugendlichen.

Aber nicht nur innerhalb des Vereins und des Geländes sind die Kleingärtner vom Hagschinkel aktiv. Bei der Einweihung der Uerdinger Fußgängerzone im Jahre 1979, dem Brunnenfest sowie bei der Uerdinger Woche ein Jahr später, wirkte unser Verein mit. Mit dem Uerdinger Männergesangsverein und der Frauengruppe wurden Besuche in den Uerdinger Altenheimen durchgeführt.

Ganz besonders hervorzuheben sind aber auch die Kontakte zu dem Bremer Kleingärtnerverein Neuenland. Seit 1964 besuchen sich in jedem Jahr beide Vereine wechselseitig. Dabei sind beide Vereine bemüht, durch umfangreiche Programme den Gästen den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu gestalten. Die Freude und das Erwarten der Gartenfreunde auf die jährlichen Besuche geben Zeugnis der freundschaftlichen und herzlichen Verbundenheit.

Unser Verein besteht schon 84 Jahre. (Stand: August.2010)